Fettabsaugung auf Kasse: Die Lösung für unseren Wohlstandsspeck!

Jetzt hat es auch die plastische Chirurgie auf’s Berliner Podium geschafft – eine Schönheitsoperation erreicht politischen Status! Und das auf Bundesebene. Hauptdarsteller der Diskussion: Gesundheitsminister Jens Spahn.

Viel Lärm um nichts!

Der 38-Jährige spaziert seit knapp einem Jahr durch die Medizin-Branche und will alles umkrempeln. Gesetzlich versicherte Patienten sollen schneller Termine bekommen, die Ärzte längere Sprechzeiten anbieten und die Altenpflege-Ausbildung soll reformiert werden. Die Liste seiner Wunsch-Agenda für 2019 ist lang. Der CDU Mann will zu viel regeln und alles am liebsten auf ein Mal. Revolte an allen Fronten. Das Gute: die Gesellschaft diskutiert leidenschaftlich über Gesundheitsthemen – Organspende, Pflege und jetzt sogar über Fettabsaugen auf Rezept. Wird hier ein Meilenstein überwunden?

Spahn selbst beschreibt sich als großer Freund von Selbstbestimmung und Selbstverwaltung, allerdings müsse Politik manch mal eingreifen. So, wie jetzt, nach einer heißen Diskussion in den sozialen Medien. Eine Frau macht ihn auf das Thema Lipödem aufmerksam, fordert Reaktion. Mit Erfolg:

Jens Spahn Aussage Fettverteilungsstörungen

Der Minister will Fettabsaugung zur Kassenleistung machen und provoziert damit ganz Deutschland. Hoffnung bei den Betroffenen, Verwunderung beim Rest und Aufregung bei den Chirurgen – sie fürchten Einschnitte in ihre individuellen Arbeitsabläufe und Organisation der Praxen.

Spahns Vorstoß nur Berechnung!

Jens Spahn bekommt durch die  etwas andere Gesundheitsdebatte sein Aufmerksamkeitsdefizit in den Griff– zumindest für einen Augenblick. Würde er Themen wie die Kürzung der Wartezeit für gesetzlich Versicherte oder Gesundheitsprämien eine Bühne geben, hätte wohl keiner Notiz von ihm genommen. Fettabsaugen dagegen zieht! Millionen Betroffene in Deutschland. Und alle diskutieren: soll die gesetzliche Krankenkasse die Therapie bezahlen? Ein Grenzbereich zwischen Ästhetik und Krankheit, unter der vorwiegend Frauen leiden, wenn sich in Beinen und Hüfte das Fett ansammelt,  Schmerzen verursacht.

Spahns Goldesel soll das bezahlen – wer sonst?

Die Kosten sind dabei sekundär – Klärungsbedarf hat diese Frage in der Diskussion aber natürlich schon. Der eigentliche, politische Vorstoß: Jens Spahn will den Kassen vorschreiben, wofür sie zu zahlen haben, damit das Gremium entmachten, das normalerweise entscheidet, ob Kosten übernommen werden. Wissenschaftliche Kriterien spielen dabei eine große Rolle – entsprechende Krankengeschichten müssen vorhanden sein, d.h. der Verlauf muss über Jahre dokumentiert worden sein. Wer soll das bezahlen?

Kochendes Wasser hört sofort auf zu brodeln, sobald man es von der heißen Platte nimmt! Genau so läuft es in der Debatte um die Fettabsaugung auf Rezept – sie ist bereits abgekühlt. Den Siedepunkt hat sie aber nie erreicht. Dafür hätte Jens Spahn in die Tiefe gehen müssen – mit spezifischen Fragen zur Kostenübernahme von den Kassen von nötigen Medikamenten und Behandlungen. Das ist bis heute nicht geschehen. Sein PR Plan mit einer gut gemeinten, aber oberflächlichen Aussage ist aufgegangen. Das Problem müssen die Betroffenen aber selbst lösen. Mal wieder viel Lärm um nichts – aber eins hat sicher funktioniert – Senkrechtstart ins Rampenlicht durch gezielte Eigen-PR. Großartig geglückt, Herr Spahn!